BORNHEIMER BÜRGERSTIFTUNG

Ein Jahr in Südafrika...

Ein Jahr in Südafrika...

Hallo, mein Name ist Jenni. Im August 2016 bin ich mit dem Programm ´´weltwärts´´, mit meiner Entsendeorganisation Deutsch Südafrikanisches Jugendwerk (DSJW) für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Groot Marico, Südafrika, gegangen. Dies wurde erst möglich durch die großzügige Unterstützung durch die Bornheimer Bürgerstiftung „Unsere Kinder – Unsere Zukunft“, meiner Eltern und vieler Freunde. Dafür ein „Danke“ aus ganzem Herzen.

In Afrika habe ich in einem Kindergarten mit ca. 60 Kindern gearbeitet, die aus dem angegliederten Township kamen. Was ich dort erlebt habe, ist nur schwer in Worte zu fassen.

... meine Aufgaben

Zusammen mit meiner Mitfreiwilligen, 3 Kindergärtnerinnen und einer Köchin haben wir 5 Tage die Woche ca. 60 Kinder betreut.

Unser Tag begann um 8 Uhr. Nach der morgendlichen Toilettenroutine ging es in unsere Gruppen. Ich unterrichtete die kleineren (1,5 – 4 Jahre) und meine Mitfreiwillige die großen Kinder (4-6 Jahre).  In unseren Gruppen starteten wir mit dem morgendlichen Programm: Singen, Tanzen, Beten und  - weil es in vielen afrikanischen Ländern so üblich ist -  stand das Lernen auch im Vordergrund. Konkret  wiederholten wir jeden Morgen die vier Farben Rot, Blau, Grün, Gelb, zählten von 1 -10, gingen die Wochentage durch und benannten spielerisch, durch Tanzen und Singen, unsere Körperteile. Nach der Bewegung ging es dann (zum großen Vergnügen der Kleinen und mir) zum Spielen über.  Nach dem Frühstück  und je nach Wetter wurde draußen gespielt. Als die meisten Kinder ausgepowert waren, wurde ein Mittagsschlaf gehalten. Danach stand Mittagessen und Windeln wechseln auf dem Programm. Unsere Kurzen wurden dann zwischen 14:00 und 16:00 Uhr abgeholt.

Drei Mal die Woche hatten wir auch das After School Centre im Kindergarten zu betreuen. Wir unterrichten 5 - 6 High School Schüler im Alter von 14 - 19 Jahren, in den basic computer skills, machten je nach Bedarf Hausaufgaben mit ihnen oder besprachen Aufgaben die für ihre Prüfungen relevant waren.

Je nachdem ob/wann unsere Supervisorin uns brauchte arbeiteten wir auch in dem Info Center von Groot Marico. Das heißt wir halfen ihr, verschickten Infonachrichten für die Events die anstanden oder halfen da, wo sonst noch Hilfe gebraucht wurde.

Die meisten Menschen, mit denen ich im Projekt zu tun hatte, waren weiß, wie ich es von zu Hause gewohnt bin - abgesehen von den Kindergärtnerinnen und Kindern. Meine Gasteltern Thabo und Jolene, waren das Beste, was mir passieren hätte können, ebenso die Community, in der ich lebte - ich bekam in diesem Jahr ein echtes Zuhause. Gelebt habe ich dort zusammen mit einer anderen deutschen Freiwilligen auf einer Farm. Wir hatten gemeinsam ein kleines Zimmer, eine schönes Badezimmer und eine kleine, süße, idyllische Küche. Die Verhältnisse waren sehr einfach - das Wasser (auch das Trinkwasser) kam per Schlauch in den Tank, direkt aus dem nah gelegenen Fluss. Unmittelbar vor unserer Küche liefen die Hühner und Gänse - so wurde unser Biomüll liebevoll "entsorgt"... Auch an den vielen Staub habe ich mich schnell gewöhnt, die einfachen Verhältnisse haben mich nie gestört - es gab einfach Wichtigeres.

.... verschiedene Kulturen

Ich war die erste dunkelhäutige Freiwillige in dem Projekt (ich bin in Deutschland geboren, meine leiblichen Eltern stammen aus Afrika und ich lebe seit ich 2 Jahre alt bin, in meiner deutschen Familie. Erst kurz vor der Abreise wurde mir bewusst, dass Südafrika ja seine ganz eigene Geschichte mit der Apartheid hat. Ich wollte es nicht wirklich zu geben, doch habe ich mir ein bisschen Sorgen in Sachen "Rassismus" gemacht.

Das Zusammenleben von schwarzen und weißen Menschen ist nicht unbelastet und dort in der Region ist dies von beiden Seiten spürbar. Schwarze und Weiße sieht man nur im Arbeitnehmer und Arbeitgeber-Verhältnis miteinander, nicht als gute Freunde, wie wir es aus Deutschland gewohnt waren oder es auch in den großen Städten, wie Johannesburg oder Kapstadt gesehen haben. Eines Tages hielt ein schwarzer Mann im Auto an, um uns einfach zu sagen "It's nice to see black and white together!" Es tat gut, zu erfahren, dass es jemandem so wichtig ist, Freundschaft unter verschiedenen Hautfarben zu sehen und uns das mitzuteilen, war einfach eine wunderschöne Geste. Was für uns Normalität zu Hause ist, kann dennoch andere berühren - in Deutschland war meine Hautfarbe nie ein großes Thema.

.... und Herausforderungen

Etwa fünf Minuten vom Kindergarten entfernt liegt unser Township mit ca. 10.000 Einwohnern - das Zuhause vieler unserer Kinder. Im Township sind viele Menschen ohne abgeschlossene Schulbildung, geschweige denn Ausbildung. Es gibt auch Straßenkinder, die sich nicht mehr eingliedern lassen. So ist die Arbeitslosigkeit hoch, Alkoholismus und familiäre Gewalt sind oft an der Tagesordnung. Zum Beispiel ist es normal ein Kind als Strafe zu schlagen, ob in der Schule, Kindergarten oder zu Hause.

Viele Kinder bekamen im Kindergarten oder auch in den Schulen ihre erste (einzige) Mahlzeit. Die Erlebnisse, die die Kinder wohl haben, waren deutlich spürbar. Uns ist aufgefallen wichtig Strukturen  und ein begleiteter, geregelter Tagesablauf im Kindergarten doch ist (besonders wenn im neuen Jahr neue Kinder dazustoßen).

Im Gespräch mit unseren After School Schülern wurde uns bewusst, dass das Bildungssystem in Südafrika noch viele Wünsche offen lässt. Zum Beispiel erzählten sie uns, als wir eine Matheaufgabe besprachen, dass der Lehrer den (falschen) Lösungsweg an die Tafel schrieb und daraufhin die Klasse verließ, ohne eine weitere Erklärung.  Auch das Engagement der Erzieherinnen im Kindergarten ist nicht so hoch, wie wir uns das gewünscht hätten - die Resignation angesichts der Verhältnisse ist hoch. Wir Freiwillige haben uns bemüht, hier neue Anstöße zu geben, mit den Kindern im Kindergarten auch wirklich zu lernen. Doch solche Veränderungen brauchen viel Geduld.

Um unsere zwischenzeitliche Enttäuschung bisschen Luft zulassen, war es immer sehr schön sich mit den anderen Freiwilligen -  wir waren eine ganze Gruppe Freiwillige von der gleichen Entsendeorganisation - vor Ort zu treffen, sich auszutauschen und auch gemeinsame Ferientage zu verbringen - Südafrika ist ein unglaublich beeindruckendes und vielfältiges Land - vor allem die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen hat mich stark beeindruckt.

Ich staune immer noch darüber, dass man in kürzester Zeit so viele kleine Wesen auf einmal lieb gewinnen kann. Die Kinder waren neugierig, wissensbedürftig und hatten es faustdick hinter den Ohren - so wie Kinder sein müssen. Sie testeten Grenzen aus und waren dankbar für die Geduld, die wir Ihnen entgegenbrachten. Es brauchte ein paar Tage, um uns aufeinander einzuspielen, doch schnell wurden wir ein super Team. Zuneigung, Aufmerksamkeit und körperliche Nähe benötigten die Kinder in ganz hohem Maß. Selbst als meine Familie uns besucht haben, wurden sie von ihnen an die Hand genommen und suchten auch ihre Nähe.

Als meine Abreise nach Deutschland näher kam, spürte ich, wie sehr ich das alles ins Herz geschlossen hatte, dass es richtig wehtat, zu gehen. Viel schmerzlicher als der Abschied letztes Jahr, als wir die Reise nach Afrika angetreten und Deutschland hinter uns gelassen haben. Ich weiß nicht, ob und wann ich vielleicht nochmal nach Afrika komme. Und wenn - es ist sicher nicht mehr dasselbe.

Eines ist aber sicher: Ich bin unendlich dankbar für die Erfahrungen in meinem FSJ. Das Jahr in Afrika hat meine Perspektive, meinen Blick für vieles geschärft und verändert - wie, werde ich sicher erst im Laufe der nächsten Zeit nach und nach entdecken. Afrika ist ein Teil von mir und wird es für immer sein, es ist etwas, was ich mitgenommen habe und für immer mit mir trage.

Zurück